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Leseprobe: Die fränkischen Kreistruppen im Siebenjährigen Krieg
Die Offiziere
Die Offiziere bis zum Rang des Hauptmanns wurden von den Ständen ernannt und bezahlt,
welche die betreffende Kompanie, ggf. gemeinsam, stellten. Artillerie-, Stabsoffiziere
und Generäle erhielten Gage und Patente durch den Kreis. In beiden Fällen sollte
die Beförderung nach dem Dienstalter, der Ancienneté, erfolgen, worüber sorgfältig
Listen geführt wurden.
Söhne aus fürstlichen Häusern hatten allerdings gegenüber der niederadligen Konkurrenz
Vorteile. Sie machten mitunter noch minderjährig schnell Karriere, wenn sie nicht
ohnehin sofort eine Kompanie erhielten. Den Dienst taten bis zu ihrer Volljährig-
und Felddienstfähig-keit Capitainlieutenants, wenn denn solche überhaupt eingesetzt
wurden.
„Dieses Regiment [Varell] allein hat das Unglück, daß es nicht nur vor jetzo, sondern
auch in Zukunft mit denen darunter stehenden 2. Grafen und 1. Printzen wird zu kämpfen
haben [wird], und kommt mir unbegreiflich vor, warum die in dem fränkischen Bezirk
gebohren werdende junge Printzen und Grafen die rasende Begierde mit sich auf die
Welt bringen gleich im 16t oder 17t Jahre angesehene Kriegshelden zu seyn, ...
Solten
hohe Fürsten und Stände unserer Vorstellung unangesehen hochgedachten Printzen die
anbegehrte Stelle angedeyhen laßen, so wird sich der Schmertz leicht vorzustellen
seyn, welchen wir durch einen Tort erleiden müßen in 3. jungen Herren, die mit Zu-Haus-Sitzen
zu Regimentern gelangen, und anfangen zu dienen, wo wir aufhören zu leben, oder wenigstens
die Kräfte zum würksamen Dienen verliehren.“
Schreiben Schertel von Burtenbachs an den Kreiskonvent, 9. März 1758
Auch im Siebenjährigen Krieg gab es trotz anderslautender Verordnungen mehrere solche
Beispiele, etwa den dritten Sohn des Rheingrafen von Salm-Grumbach, Carl August (geb.
1740). Der Rheingraf selbst hatte zwar keine Kreisstandschaft, doch war er mit einer
Limpurger Erbin verheiratet, die wiederum, zusammen mit den anderen Erben des gräflich
Limpurgischen Territoriums, über den Inhaber einer Kompanie im Regiment Varell zu
entscheiden hatte. 1754 fiel die Wahl auf Carl August. Natürlich tat dies, wie der
Ansbacher Kreisgesandte bemerkte, den anderen Hauptleuten einen „nicht geringen Tort“
an und würde, wie er ganz richtig voraussah, „zu billigen und häufigen Klagen Anlaß“
geben. Aber der Kreis hatte, so Walrat Rheingraf von Salm-Grumbach, ein solches Vorgehen
schon 1746 beim Prinzen Clement Armand von Hohenlohe-Bartenstein und beim Grafen
Carl Ludwig von Löwenstein-Wertheim geduldet. Sicherheitshalber legte Salm ein Attest
vor, das Carl August auf zwei Jahre wegen schwacher Gesundheit (!) die Felddienstuntauglichkeit
bescheinigte. Die anderen Hauptleute mußten es wohl dulden und konnten wohl von Glück
reden, daß nun in Kriegszeiten wenigstens ein Kompanieverwalter bestellt wurde (was
eigentlich nicht gestattet war). Dies war im vorliegenden Falle der holländische
Lieutenant de Chandre, den der Schwiegersohn des Rheingrafen, der holländische General
Wartensleben, empfohlen hatte. Der Vorschlag, Carl August bei Dienstantritt wenigstens
nur als jüngsten Hauptmann rangieren zu lassen, wurde ausweislich der Effektivstandstabellen
nicht verwirklicht. Immerhin hat sich Salm-Grumbach in den Revolutionskriegen als
Generalmajor, dann Feldmarschallieutenant und Kommandeur der fränkischen Brigade
bewährt. Für die wiederholte Verteidigung der Reichsfestung Philippsburg erhielt
er 1799 den Maria-Theresien-Orden. Ein Kreisregiment blieb ihm zu seiner Enttäuschung
allerdings vorenthalten. Er starb am 8. September 1800...
Fahnen
Bereits sehr früh hatte der Kreis Vorschriften zur möglichst einheitlichen Gestaltung
der Fahnen erlassen. Hatte man zunächst lediglich mit gleichen Grundfarben des Tuchs,
Rot und Weiß, begonnen, wünschte man schon vor der Wende vom 17. ins 18. Jahrhundert
die Abzeichenfarbe (vielleicht auch abzeichenfarbig-weiß gestreift). Die Leibfahnen
waren immer weiß. Auch bei der Symbolik überließ der Kreis es sehr bald nicht mehr
dem Belieben der Kreisstände, was sie auf ihre Kompaniefahnen aufmalen ließen. Die
- zumindest auf einer Fahnenseite - Anbringung des oder der ständischen Wappen wurde
zunächst offenbar auch so normiert oder war gewohnheitsmäßig üblich. Im Zuge einer
weiteren Vereinfachung gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts ging man zu einer Form
über, die auch im Siebenjährigen Krieg aktuell war. Die Fahnen der fränkischen Infanterieregimenter
in diesem Zeitraum haben eine eigentümliche Geschichte.
Statt sechs sollte es 1757 nur noch drei Fahnen pro Bataillon geben; zunächst hatte
man nämlich – siehe oben - eine Einteilung der Regimenter in drei Bataillone á vier
Kompanien mit zwei Fahnen pro Bataillon geplant.
[Originalstück des Fahnenmusters von 1757, Kompanienfahne.]
Da von den alten Fahnen „bekantlich ausser denen Stangen nichts an selbigen übrig
und man bey anderen Trouppen dieserwegen dem Gelächter exponirt ist“ wurde Ende 1757
ein neuer Satz von sechs Fahnen für jedes Regiment beschafft. Die Emblematik wurde
dabei weiter vereinfacht. Auf der einen Seite erschien wie bisher der nimbierte Doppeladler
mit Schwert, Szepter und Reichsapfel. Die andere Seite trug nach Bamberger Vorschlag
nunmehr nur noch die verschlungenen Buchstaben FC (Fränkischer Creis / circulus franconicus).
Die Embleme auf beiden Seiten wurden wegen der Verwendung von einlagigem Gros de
Tour (statt vormals zweilagig Seide) auf Leinwand gestickt und auf das Grundtuch
aufgelegt – dies explizit nach der neuen kaiserlichen Gepflogenheit. Die Fahnen messen
2 ¼ x 2 ¾ Ellen und sind damit kleiner als bisher. Sie bestehen aus jeweils drei
waagrechten Streifen deren mittlerer blau, der obere und untere in Abzeichenfarbe;
die Leibfahne ganz weiß. Zu diesen Fahnen gehörten Hüllen aus schwarzem Wachstuch.
Das Erstaunliche aber war: Diese Fahnen wurden bis lange nach dem Krieg nicht an
die Stangen angeschlagen und daher auch nicht verwendet. ...
Tätigkeit im Siebenjährigen Krieg
... 1759 war nicht nur für die Reichsarmee, sondern auch für die fränkischen Truppen
der Höhepunkt des Krieges. Die Infanterieregimenter waren hauptsächlich bataillonsweise
eingesetzt, dabei oft mit den undankbaren Aufgaben der Nachhut auf dem Marsch oder
Vorpostendienst betraut. Zunächst manövrierte man gegen den wiederholten preußischen
Einfall der sächsischen Armee des Prinzen Heinrich aus Thüringen nach Franken.
Gewissermaßen als Vorbereitung drang der hessische Generallieutenant Georg Ludwig
von Urff in die Hessen-Kasseler Gebiete (Henneberg-Schmalkalden) im Norden des fränkischen
Kreises ein, um die dort stehende Reichsarmee zu vertreiben. Dies gelang, die Reichsarmee
zog sich auf die Würzburger Landesfestung Königshofen zurück. 200 Kleistsche Husaren
und hoben am 2. März in Eisenach einen kleinen Posten der Kürassiere, Dragoner und
des Kurkölner Regiments Elverfeld auf.
Der Erbprinz von Braunschweig, aus dem Hessischen kommend, konnte am 1. April die
mit der Reichsarmee zurückgehende fränkische Bagage bei Uttendorf überfallen. Die
Regimenter Varell und Ferntheil verloren nicht nur 16 bzw. 5 Mann gefangen, sondern
auch eine Reihe von Rüst- und Zeltwägen mit den Pferden und kostspieligem Inhalt.
In Meiningen erbeutete der Erbprinz noch dazu ein fränkisches Magazin. Kurz zuvor
hatte Ferntheil immerhin in Schmalkalden Kontributionen erheben können.
Zwei Tage später kam es bei Suhl zu einem ausgedehnten Nachhutgefecht mit den hessisch-hannoveraner
Truppen. „Auf letztem Marche fiele das Bückeburgische Jäger Corps mit Grenadier,
Hußaren, und einer Canone versehen, in die diesseitige Arriere-Garde und trieb solche
anfangs zurück, kurz darauf aber occupirte ich mit dem Löbl. Kroneggischen Regiment
und denen Grenadier Compagnien alle Päße, trieb sie durch den überaus eifrig bezeigten
Muth der commandirten Mannschaft zu 3en mahlen zurück und sezte alsdann meinen Marche
unter Bedeckung der Löbl. Ferntheil- und Varellischen Regimenter, welche sich auf
einer Anhöhe postirt hatten, auf Befehl des commandirenden Generals nach dem Corps
fort.“ So berichtet der kommandierende Graf Hohenlohe-Ingelfingen an die Kreisversammlung.
Offenbar war das Gefecht recht heftig, mußte man doch elf Tote, 20 Gefangene und
25 Vermißte verzeichnen...